Samstag, 13. Juni 2009
12. Juni 2009
Etwas vor Sonnenuntergang auf die Polje hinaus. Erstmal seit dem gesundheitlichen Crash Anfang 2008 - kein öder Krebs mit Chemoquatsch usw. - wieder bis Wutschein hinauf gegangen. Irgendwo in den Wäldern um Karnburg ein Kuckuck, oben auf der Höhe von Sagrad noch ein zweiter. Am Rückweg war es entlang der Glina schon halb Dunkel. Überall wo der Zwirnawald und die kleinen zu ihm gehörenden Waldflecken bis an den Fluß reichen recht viele Glühwürmchen. Sie sind heuer ziemlich früh dran. Das Abendessen bescheiden, schmackhaft, wenig vorbereitungsintensiv. Ein Märzen während das Bagette im Rohr ist. Als zweiten Gang eine gut abgetropfte Sardine, ja eine Ölsardine, die letzten drei Happen mit Sushi & Sashimi Souce. Dann noch die Erdbeeren, zwei kleine Schüsseln, und zum Abschluß eine "swiss classic" der Firma Lindt, deren Namen ich hier gerne erwähne, weil das Thomas Mann auch schon gemacht hat und die Schoko eben so gut schmeckt. In den nächsten Wochen werde ich mich etwas weniger mit HTML, Stylesheet, Blogschreiben und Co. befassen können. Muß mich in das NS-Euthanasie Thema für die Steiermark erst wieder ein lesen; dazu noch in die Biographie des linksbürgerlichen Architekten Herbert Aichholzer, ein Grazer der dagegen angekämpft und mit dem Leben bezahlt hat. Am 25. gibt es das Referat in Hartheim/Linz. Und ich hab von dem, was ich mir in den Steiermark-Projekten 2007 alles erarbeitet hab schon derart viel vergessen.



Freitag, 12. Juni 2009
Die 'Trischari' der Hypo Bank
Seit meine gute Tante Mary mit einem kleinen Anleihen-Depot bei der Kärntner Landeshypothekenbank dafür gesorgt hat, dass ich in Ruhe und solange studieren konnte bis ich auch an der Klagenfurter Uni tatsächlich was gelernt hab, ist schon geraume Zeit vergangen. Die Bank wurde mittlerweile mehrfach umbenannt. Das nicht sehr fette Depot mit den Landes- und Bundesanleihen der Erbtante ist seit langem leergeräumt. Bei der "Hypo Group Alpe Adria", wie die seinerzeitige Kärntner Landesbank heute heißt, hab ich nur noch ein Girokonto. Und dort ist der Überziehungsrahmen fast ausgereizt. Das hab ich heut zu Mittag nicht ganz unerwartet festgestellt. Danach bin ich zum Markt: frischer Salat, duftende Erdbeeren, reife Tomaten und Erdäpfel. Und wie immer bekannte Gesichter. Darunter urfreundlich der Hans aus immer weiter zurückliegenden Studentenzeiten. Er sieht prächtig aus und treibt sich nach wie vor im mittleren Management der "Hypo Bank" herum. Es war nicht sehr charmant von mir, aber ich hab ihn gleich gefragt, wie geht's denn der Hypo? Er hat vorsichtshalber gelacht. Und ich hab vorsichtshalber gesagt, ich komm gerade von dort und bin seit sehr langer Zeit Kunde, weshalb ich mir im letzten halben Jahr das "ganze Sündenregister der Hypo" einmal genauer angeschaut hab. Ich konnte es einfach nicht lassen. Ihn gleich auf die weltweiten Internet Spamer-Aktionen der 100% Hypo-Tochter mit Sitz in Liechtenstein ansprechen, wollte ich allerdings doch nicht; auch nicht den 2008 von den Hypo-Leuten erwirtschafteten Verlust von 520 Millionen Euro, was in Schillingzeiten ja auch 7 Milliarden gewesen wären, vermutlich der höchste Jahresverlust, der von einem Unternehmen mit Sitz in Klagenfurt jemals erzielt wurde. Und dass im letzten Herbst die Führung der "Hypo Bank", ein gewisser Herr Kulterer, wegen Bilanzfälschung, Untreue usw. wochenlang aufs Landesgericht musste und rechtskräftig verurteilt wurde, muß man dem Hans wirklich nicht sagen.

Ohne wirklich und frei mit ihm darüber reden zu können, war ich in seltsamer Weise auf die Hypo fixiert. Nicht zuletzt weil ich vor kurzem erstmals in meinem Leben Kennzahlen aus einer Bankbilanz gesehen hab. Wie gut, wie konfus oder überhaupt verkehrt ich die nun interpretiere, sei einmal dahin gestellt. Aber mir scheint, dass die Hypo im Jahr 2008 über 30 Milliarden mehr oder weniger gut respektive schlecht gesicherte Außenstände und ähnlich hohe eigene Zahlungsverpflichtungen gehabt hat, und das bei einem vergleichsweise geringen Kapital in Höhe von 2,5 Milliarden. Dabei hat die Republik Österreich erst vor etlichen Monaten 900 Millionen Euro zuschießen müssen (das hab ich in einer Zeitung gelesen), damit überhaupt noch ein ansehnlicheres, vorzeigbares Bank-Kapital da ist. Ich hätte mich sehr gern mit Hans über diese Fragen unterhalten, um mich etwas klüger zu machen. Aber es blieb beim bloß burschikosen Tratsch am Markt. Lachend sagte er, ich brauche mir keinerlei Sorgen machen, die Bank hat jetzt "zehn Prozent Eigenkapital". Das machte mich freilich erst stutzig, vielleicht ist meine laienhafte Interpretation der Jahresbilanz 2008 ja doch nicht komplett daneben. Es würde dem lachenden Hans ja gleich schauen, dass er in diesem Punkt etwas übertreibt. Und wenn er übertreiben hat würden meine Vermutungen ja in etwa stimmen. Die Bank wurde in den 90er Jahren auf Basis einer Ausfalls- und Haftungspflicht durch das Land Kärnten in rasendem Tempo zu einem Finanzkonzern mit hunderten Filialen vor allem in Süd-Ost Europa aufgeblasen. Ich fragte Hans in der Hoffnung vielleicht doch irgendein Informationskrümel aus ihm heraus zu kriegen, wie es nun mit den zahlreichen Kunden in Südosteuropa aussieht, in Kroatien, in Serbien, in Bulgarien usw. ob jetzt in der Krise dort nicht viele ins Gedränge kommen, Kreditrückzahlungen ausbleiben? Nein, nein, nein, das ist es nicht, sagte er in unerschütterlich beruhigendem Ton aber schon etwas weniger lachend, "die Trischari in da Karibik, das is das Problem". Nur über die Probleme mit der "Trischari" wird in österreichischen Zeitungen unterm Titel "hohe Swap Verluste der Kärntner Hypo" seit Jahren berichtet. Wie auch der Rest der englischsprachigen Welt redet Hans nicht genau nach der Schrift, wenn er 'treasury' meint. Dazu kommt, sagte er, "als weitere Belastung die Bayrische Landesbank". 2007 hat die Bayrische Landesbank die "Hypo Group Alpe Adria" mit einem etwa 60% Anteil, gerade noch rechtzeitig bevor es steil bergab ging, übernommen. Die Bayern haben 2008 einen Jahresverlust von 5 Milliarden Euro erwirtschaftet, einer der höchsten in der deutschen Bankengeschichte, zu dem die Kärntner rund 10 Prozent beigetragen haben. Die Bayern empfinden darum auch ihrerseits die Kärntner Hypo als Klotz am Bein und möchten sie so rasch als möglich wieder los werden. Aber das geht nicht so einfach. In Bayern fragt man sich unter anderem, was man wohl mit dem hochdefizitären Schloßhotel Velden anfangen soll und mit diversen Kärntner Golfplätzen, die ebenfalls zum maroden Hypo-Bank-Imperium gehören. Destinationen in denen eine bestimmte 'Elite in Kärnten' in den letzten Jahren Golf und eben 'Elite in Kärnten' zu spielen versucht hat. Bin neugierig wann die ersten Golfplätze zugunsten der ursprünglichen Nutzer rückgewidmet werden. Wann auf diesen Wiesen statt der vorübergend reich gewordenen Investmentbanker, ManagerInnen & Co wieder die Kühe, die Kälber und die Ochsen weiden werden.



Samstag, 6. Juni 2009
summertime, and living is ...
Was machen, wenn nichts Dringendes ansteht und es Anfang Juni regnet? Regenschirm nehmen, spazieren gehen? Zu Hause bleiben? Wie, was oder wo auch immer, eines bleibt: sich über den Sommern freuen. Und wer von den sommerlichen Hochgefühlen noch keine rechte Vorstellung hat, wer sie erst in Erinnerung rufen muss, kann ja einmal das Bild des exzentrischen Modephotographen David LaChapelle genauer ansehen. Die Photoarbeit, des noch von Andy Warhol geförderten US-Amerikaners, ist 2001 entstanden. Titel: "Angelina Jolie: poppy field (lusty spring)". Also keine Kärntner Sommerwiese, sondern der Name einer US-Schauspielerin mit dem Hinweis: "Mohn Feld (lebhafter Frühling)", was sich noch anders übersetzen ließe. Irgendwas stimmt freilich sowieso nicht. Es ist nur ein Bild. Nur eine Schauspielerin, die sich womöglich Kollagen in die Lippen gespritzt hat, um derart vollmundig auszusehen, und dazu der Mohn, und der Frühling wird in Kärnten auch erst dann so heiß sein wie dieses Bild, wenn der Klimawandel noch weiter geht. Aber das ändert nichts daran, so soll der Sommer sein ...



... nur wirklicher, noch etwas schärfer gestellt, dreidimensionaler, wobei man auch bedenken sollte, dass die Boulevardpresse bereits über ein Dutzend Tatoos auf Frau Jolies Körper entdeckt haben will, darunter das Tennessee Williams Zitat "A prayer for the wild at heart, kept in cages". Sie entstammt einer US-Schauspielerfamilie und hat auch selbst früh damit angefangen. Weitreichende internationale Bekanntheit genießt sie seit der Verflmung eines der erfolgreichsten Videospiele der neunziger Jahre. Ein Killerspiel für Mädchen: "Tomb Raider: Lara Croft". Ihre Tatoos, so soll Frau Jolie gesagt haben, dienen dazu, die Begehrlichkeit der Regisseure zu begrenzen, all zu viel von ihrer Haut zu verfilmen. Als "Lara Croft" verkörpert sie dann auch das immergeile doppelte Thema: Sex und Gewalt. Also schon sehr viel Haut, aber mit allem möglichen Schießzeug auf den Körper geschnallt, und jederzeit die Pistolen gezückt, wie das bei der Verfilmung der Hauptfigur eines Ballerspiels ja sein muß. Die Zeitschrift "Emma" hat 'Lara Croft' ostentativ begrüßt. In der taz schrieb eine nachdenklichere Redakteurin während die massive PR für den Film lief: "Im Grunde ist 'Tomb Raider' die größte Volksverarschung seit langem. Ein gähnendes Nichts, zusammengehauen wie eine drittklassige Videoproduktion." Das bad girl Jolie trägt mittlerweile auch Namen "Oskarpreisträgerin" und Angehörige der Aristokratie der U.S. ist sie sowieso. Der unentwirrbare Mix aus Hollywood-Alptraum und Traum ist nicht auf die bloße Glamourszene beschränkt, dafür steht Frau Jolie ebenfalls. Seit ihrem internationalen Durchbrauch entfaltet sie eine reges humanitäres Engagement. Sie setzt sich speziell für Flüchtlinge ein, ist seit 2001 "Goodwill Ambassador" der UNHCR, das Hochkommisariat der Vereinten Nationen für das Flüchtlingswesen. Sie bereist als UNO-Ambassador die ganze Welt, mit einer gewissen Zwangsläufigkeit auch jene Teile davon in denen die U.S.A. gerade Krieg führen oder geführt haben. Zugleich steht ihre bekannteste schauspielerische Leistung für einen sehr üblen Brutalisierungsschub in der Unterhaltungsindustrie. Wie sagte schon der gut- und alteuropäische Dr. Faust: "Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust". Bei Frau Jolie und vielen US-Amerikaner/innen scheint es ebenso zu sein. Flüchtlinge machen und sich für ihre humane Behandlung tatkräftig einsetzen. Dazu paßt auch ein Bild aus 2005 von einer hochkarätig besetzen Charity: eine wunderschöne, edle Angelina mit dem aussenpolitischen Pit Bull Terrier Weibchen von Georg W. Bush, nachdem er die ärtzlich überwachte Folter für Außenfeinde eingeführt hat. Angelina erinnert mich hier, als alten Österreicher, an eine besonders hochmögende, besonders hochherzige aber etwas leichtsinnige Habsburger Prinzessin; und die Hündin daneben an einen naturgemäß schlecht gelaunten k & k Kriegsminister in der Zeit bevor der 1. Weltkrieg los getreten wurde: in Wien und Sarajewo.