Bei den Engeln wohnen, oder doch nicht.
Vor zwei Jahren bin ich auf dieses Kleinod in der Innenstadt aufmerksam geworden. Ich war weder der erste noch der einzige der seltsam fasziniert davor gestanden ist. Erichtet wurde es unter dem neulich abgewählten ÖVP-Bürgermeister Harald Scheucher, ein Wirtschaftsmann mit legendären Beziehungen zu Investoren. Klagenfurt verdankt Harald Scheucher eine ganze Reihe stadtarchitektonischer Großprojekte (nebst der entsprechenden Anzahl wütender Bürgerinitiatiativen, die dagegen erfolglos mobil gemacht haben). Unter seiner Ägide wurde auch damit begonnen die öffentliche Wasserversorgung zu verkaufen. Harald Scheucher war auch dabei federführend den kommunalen Verkehrsbetrieb, das Fernheizwerk, die Stromversorgung sowie den beträchtlichen städtischen Wohnungsbesitz aus dem öffentlichen ins Privatrecht überzuführen, um auch das alles verkaufen zu können. Wie weit all diese Verkaufsprozesse mittlerweile gediehen sind, ist unklar. Ein signifikanter Ausdruck der politischen Kreativität des Stadtoberhaupts Harald Scheucher findet sich jedenfalls im, ja, im Lufthaus:
Um das Gesamtkonzept des Projekts entsprechend würdigen zu können braucht es klarerweise auch Sensibilität für bestimmte Details:
Schöner Wohnen bei den Engeln im Lufthaus. Begonnen wurde dieses Projekt schon vor 2007. Dem Investor ist das Geld aber wirklich im ungünstigsten Moment ausgegangen. Er hat gerade noch soviel Kohle gehabt, um das alte Bürgerhaus soweit abreißen zu können wie es das Denkmalamt gerade noch erlaubt hat. Dann war es aus mit ihm. Ein Zustand an dem sich bis heute nichts geändert hat. 2008 wurde sogar in den eh nicht so bissigen Kärntner Zeitungen darüber gewitzelt. Bürgermeister Scheucher, der noch ein drittes mal gewählt werden wollte, mußte Handlungskompetenz signalisieren. Und die Lösung, die seine Experten nun vorgelegt haben, kann sich sehen lassen:
Ein Investment, das mitten in die Stadt einschlägt, wie eine Fliegerbombe im Zweiten Weltkrieg. Haus weg, denkmalgeschütze Fassade noch da, die Fenster weisen ins Leere, katholisch gesehen in den Himmel; Gras kann da keines drüberwachsen. Also Vorhang runter, halbtransparent mit klassizistischen Ornamenten, um das Stadtbild nicht zu stören. Ein authentischeres Erinnerungszeichen für den ganzen Investorenschwarm, der an anderen Stellen der Stadt noch viel übler zugeschlagen hat, läßt sich kaum denken. Trotzdem gibt es noch Leute, die selbst angesichts solcher stadtarchitektonisch-erinnerungskultureller Meisterleistungen nicht aufhören öffentlich herum zu meckern. Zum Beispiel beim 'Lufthaus' gleich um die Ecke gibt es diese am Boden klebenden Geister, die einfach keine Geschäftsphantasie entwickeln. Unsinnige Fassadensprüher, die 'singen' und was nicht noch alles wollen.

mag.carinthiae am 03. Juni 09
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Klagenfurter Zeitung
Die
Klagenfurter Zeitung, Jahrgang 1848, war vom letzten Spätherbst bis weit in den Winter hinein meine faszinierendste Lektüre. Die 1848er Revolution in Europa ist darin in voller epischer Breite abgebildet. Und wo nicht abgebildet zumindest thematisch angerissen. Noch die letzten Ausläufer, der von Paris - von wo sonst - ausgehenden Revolution in Moldavien werden in einigen Artikeln erwähnt. Ergänzt durch Wikipedia (danke liebe Leute!) und die einschlägigen Bände der
Fischer Weltgeschichte läßt sich damit eine bereits anspruchsvollere Vorstellung des eminenten Jahres bis herunter zu den regionalhistorischen Ereignissen bilden, die im Fall von Kärnten freilich mehr reaktionär als revolutionär waren. Klagenfurt war damals eine Stadt mit kaum 15.000 Einwohnern. Die Redaktion der 'Klagenfurter Zeitung' hatte noch keinen Telegraphenanschluß, obwohl es die Technologie in Europa da und dort bereits gab. Die Eisenbahn kam erst mehr als ein Jahrzehnt später in Kärnten an und die Nachrichten aus Mailand, Petersburg, London usw. waren noch über weite Strecken mit der Postkutsche, im günstigeren Fall in den Taschen der reitenden Eillkuriere der Post unterwegs. So waren die neuestens Neuigkeiten in Klagenfurt immer schon einige Tage alt, mindestens. Aus Wien ging es etwas schneller, da die Informationen bis an den Fuß des Semmering bereits mit der Eisenbahn unterwegs waren und erst dann den Postkutschern und in dringenden Fällen den reitenden Kurieren anvertraut wurden. Und trotzdem. Die 'Klagenfurter Zeitung' war bei aller informationstransport- und epochenbedingten Begrenztheit im Vergleich zu den heut in der Stadt erscheinenden Blättern ein sachlich kompetentes und bis zu einem gewissen Grad auch bewunderswertes Qualitätsprodukt. Für diejenigen, die auch zwischen den Zeilen lesen konnten, war sie ein Qualitätsprodukt selbst in den zweieinhalb Monaten zu Beginn des Jahres 1848 als die metternich'sche Zensurbehörde noch existierte, und "der alte Gauner" wie der Fürst Metternich bei Friedrich Engels heißt noch nicht nach England geflohen war. Am schlimmsten ist heute, vom Gratiszeitungs-Werbemüll abgesehen, die 14tägig an jeden Haushalt zugestellte "Klagenfurt - Die Stadtzeitung mit amtlichen Nachrichten". Diesmal 48 Seiten stark mit 15 Farbbildern vom neuen alt- bis extrem rechten Bürgermeister Christian Scheider. Sein höchster Ausbildungsabschluß: Heeressport- und Nahkampfschule. Sein Beruf bevor er in der Kommunalpolitik hochgekommen ist dem Vernehmen nach: Bote! Der einzige Lichtblick in den diesmaligen "amtlichen Nachrichten": Victor Vasarely ab 4. Juni in der Stadtgalerie. Die polnische Kustodin sagte schon vor einigen Tagen es werden nicht nur ein paar Blätter von ihm dabei sein, um über den Sommer Touristen anzulocken. Hätten im Jahr 2006 die Nasenbohrer im Stadtsenat nicht den Kunst- und Aktionsraum vom Rogy zerstört, könnte man wenigstens über den Ausbau des hiesigen Ausstellungsbetriebs was positives sagen. Eine Tochter des im letzten OKtober mit dem PS-starken VW "Phaeton gegen den Bäton" geknallten Rechtspopulisten hat eine Dissertation über Arnulf Rainer geschrieben. Die Haider-Tochter soll jetzt im hiesigen Kulturbetrieb als Managerin installiert werden. "Mit dem Phaeton gegen den Bäton" ist übrigens ein Gedicht von
Don Alphons, das man sich ruhig einmal ansehen kann. Es gehört zu den besten Jörg-Haider-Gedichten, die mir untergekommen sind. Nahe Angehörige und die noch immer in ihn Verliebten sollten aber noch eine Weile die Finger davon lassen.
mag.carinthiae am 02. Juni 09
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Gospasvetsko Polje ...
... zu wenig geschlafen. Tagsüber im wesentlichen mit dem Blog und dem Layout beschäftigt. Nicht allzu sorgfältig aber doch Essen zubereitet: Aspik, saurer Milchshake, Brötchen mit Aufstrich, die Orange hab ich nicht gegessen. Viel war das nicht. Die Magistra artrium hat angerufen. Ihr von meinem Blogg erzählt, und dass ich bei Bedarf auch ihr einen einrichten könnte. Sowie dass ich die gemeinsamen Arbeiten ab 2005 thematisieren möchte, womit sie sehr einverstanden war. Abends ein paar Stunden hinaus. Die St. Veiterstraße ist wieder komplett zu mit widerlichen Wahlplakaten. Die F-Partei wird es wahrscheinlich schaffen, dass ich doch wählen geh, nicht weil ich denke, dass die anderen sehr viel besser wären, aber wenigstens sind sie nicht so offensichtlich grauslich, ekelhaft und schlecht. Über den Galgenbichl zügig hinauf, oben außer Atem, zur Glan hinaus. In einem nahen Wäldchen noch einmal mein Freund, der Kuckuck. Erstmals seit Winter 2007/08 wieder weit auf die Polje der Gospa Sveta hinaus gegangen. So richtig fängt sie ja doch erst hinter dem Zwirnawald an. Schon jenseits der Straße nach Karnburg hinüber, hab ich einmal länger zurück geschaut: eine kühle klare Luft, an den Rändern der Polje grüne Hügel, dahinter waldige Berge und in der Ferne massive Gebirgsstöcke, Felsenwände bis über 2000 Meter hinauf. Ein spürbares Gefühl von Weite kam mit einem mal auf. Ein schönes Gefühl. Ich hab es lang nicht mehr so deutlich empfunden. Seltsamerweise wegen dieser Berge, die hier die ganze Gegend verstellen und begrenzen. Es ist paradox: indem hier im Inneren der Ostalpen die Berge dem Blick in die Ferne ein Hinderniss entgegen stellen, erzeugen sie den Eindruck von Weite. In der Pußta, in der Po- oder sonst einer Ebene sieht man bei klarer Luft wahrscheinlich noch weiter, aber gleichzeitig nichts bzw. nur die Luft. Die Berge produzieren erst diesen Eindruck des Weiten. Und die Bergsteiger wissen das auch sehr genau. Sie glauben aber man muß davor auf die Berge hinaufsteigen. Das stimmt aber nicht. Es funktioniert auch von unten. Die Berge müssen nur weit genug weg sind, also dort wo ich sie gerne hab.
mag.carinthiae am 31. Mai 09
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So sieht eine Kärntnerin aus ...
... wenn sie in der NS-Zeit in Wien Kunst studiert, seit den fünfziger Jahren überwiegend in Paris, New York gelebt hat und 1980 wieder zurück an der Wiener Akademie eine Kunstprofessur angenommen hat und Maria Lassnig heißt. Man sieht auf dem Bild mit dem Titel "Ich oder Du" sehr genau: Kärntnerinnen sind nicht immer ganz harmlos.

Lassnig wurde in Kappel am Krappfeld geboren. Eine Gegend in der es schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts reiche Bauern gab - vom abhausenden Teil des Adels, der ihnen Grund verkauft hat, auch 'die Sterzgrafen' genannt. Ob Lassnig von solchen 'Sterzgrafen' oder ihren Knechten abstammt weiß ich nicht. Und ist auch nicht so besonders wichtig, weil die von den Linkshegelianern des 19. Jahrhunderts bis zu den "68ern" immer wieder erörterte "Herr-Knecht Dialekt" in dem Fall ohnehin zweitrangig ist. Die Fragen, die Lassnig stellt, lauten schließlich Herrin oder Herr, Herrin oder Knecht, Dirne oder Herrin. Maria Lassnig hat Teile ihre Jugend und Adoleszenz auch in Klagenfurt verbracht und sich in den achziger Jahren als wohlhabende und renommierte Künstlerin nicht unweit vom Krappfeld im oberen Metznitztal ein bäuerliches Anwesen gekauft. Dorthin zieht sich die alte "warrior queen", wie sie von einer Redakteurin des linksliberalen Guardian einmal genannt wurde, immer wieder zurück. Lassnig gebührt in verschiedener Hinsicht Achtung und Respekt. Wer jedoch sie und ihre Arbeiten ganz unbesehen liebt und verehrt, begibt sich in eine wie auch immer gefährliche Sphäre. Mehr zu dem Thema ein anderes mal.
mag.carinthiae am 31. Mai 09
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