April 2026 |
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Er beschreibt einfach wie es bei ihm am pickfeinen Tegernsee mit der Werbung aussieht; eine Gegend, die als Rückzugsgebiet für sehr wohlhabende, sehr reiche einschließlich ganz superreiche Deutsche fungiert. Zunächst titelt 'der Don' so: Werbung oder Das Gegenteil von Oben. Dann beschreibt er dieses und jenes aus seiner Tegernseeer Umgebung und kommt zu folgendem Schluß: "Sobald man auf dem Weg zum Bäcker keine Werbung mehr sieht, ist man oben. Werbung definiert das Unten. So einfach ist das eigentlich." Bis sich diese Einsicht auch in Klagenfurt herum sprechen wird, wird noch einige Zeit vergehen. Obwohl: es ist wirklich so einfach, man braucht nur hin sehen. Je mieser, minderwertiger und unnötiger das Produkt, umso greller, knallfarbiger und massenhafter ist die Werbung. Nach 'Red Bull' und der lange kackblauen und jetzt kackorangen Partei, die jedes Kärntner Dorf mit Plakaten zuschüttet, liefern das beste Beispiel dafür - die Klagenfurter Trafiken. Überall wo sich Leute befinden, die sich nicht wehren können, gibt es mehr, mehr und noch mehr Oberflächen, die von gewerbsmäßigen Werbern mit sinnloser Information vermüllt werden. Aber nur die Klagenfurter Trafiken setzen immer noch einen drauf. Sie pfeifen unter den Schlägen von bonapartistischen EU-Komissaren aus dem letzten Loch. Dem Trafik-Verkauf von 100 bis 150 unterschiedlichen Zeitschriften mit Horoskop macht längst das Internet beinhart Konkurrenz. Wären nicht Lotto, Toto und die Rubbellose, die Trafikanten wären schon weg. Um noch eine Weile durch den Verkauf von blauem Dunst & Co leben zu können, bauen die Verzweifelten dann eben auf die Werbung.
Der Schwachsinn mit dem sämtliche Klagenfurter Trafiken zugepickt sind, hat mittlerweile aber selbst für mich etwas rührendes. Denn wer so wirbt, stirbt. Den ersten Anstoß zur Mitleidsbereitschaft gab ein anregendes Nachmittagsgespräch mit einer von mir sehr geschätzten Magistra artium im 'Theatercafe'. Ich schilderte ihr zunächst die Trafiken, die sie ja alle kennt weil sie oft raucht wie der Teufel, als den schlimmsten Ausbund der innerstädtischen Häßlichkeit. Meine sehr geschätzte Magistra ist bereits seit ihrer Zeit an der Akademie hauptberuflich mit dem Anschauen und Erfinden von Oberflächen, Linien, Farben, Formen, Flächen, Räumen, Figuren usw. befasst. Eine Spezialistin für das Visuelle. Deshalb dauerte es nicht lang, bis ich von ihr sanft korrigiert wurde. Sie hat es so nicht wortwörtlich gesagt doch gemeint, dass ihr die Trafiken an Klagenfurt eh noch so halbwegs gefallen. Und es stimmt ja auch. Die Klagenfurter Trafiken erzählen die Situation, in der sich zehntausende Menschen tagtäglich befinden, um vieles präziser als das Radioprogramm oder die Zeitungen, die hier gemacht werden. Das vergiftete Aufatmen mit Marlboro, Milde Sorte & Co.
Das Lotto, Toto und die Schimäre vom Ende der Arbeit durch das rasche Geld. Die noch immer jeden Tag tonnenweis verkauften Zeitungen mit den durchschnittlichen Satzlängen von 8,6 Wörtern. Wenn man genau auf die Trafiken hinschaut findet sich auch so manches interessante Detail. Junge Kampfsportler, die ihre Gegner (den Schiedsrichter?) zum Raufen, zum oralen Verkehr oder sonstwas auffordern; eine emotionale Verwirrung, die für Kampfsportler vielleicht gar nicht untypisch ist. Und natürlich die "Hypo Bank", bezeichnerderweise gleich über dem Mistkübel. Geklebt wurde das Plakat im Frühling 2008, also noch einige Monate vorm Beginn der weltweiten Finanzkrise. Am 9. Juni 2009 hat die internationale Ratingagentur Moody's die gefährliche Situation ebenfalls erkannt und die Bewertung der 'Hypo Group Alpe Adria ' auf die Stufe "E+ gesenkt, bei einem negativen Ausblick" wie es in einer Pressemitteiling heißt. Weniger als "E" geht nicht mehr. "E" ist die niedrigste, zu vergebende Ratingstufe, wobei die einstige Kärntner Landesbank vorerst noch mit einem "+" versehen wurde. Was immer dieses "+" aber in Wirklichkeit bedeuten wird, es gilt, wer so wirbt, stirbt, oder fühlt sich wenigstens dem Tod sehr nahe. Für diese Einsicht genügt ein wacher Blick auf die Trafik zu Anfang der St. Veiterstraße. Wer will, kann sich freilich auch an Moodys orientieren.
Der hier abgebildete 'Ironman' war im letzten Jahr Dritter. Ein gewisser Hannes Hempel, Lokalmatador aus Klagenfurt, bei dem ich mir nur schwer vorstellen kann, dass er in seiner Pubertär von den Altersgenossen nicht auch mal Pempel genannt wurde, oder der Hempel-Pempel. Kärnten Buben reden gern so, ich weiß das. Wenn man nur ein wenig genauer hinschaut zeigt sich schon, dass es beim "Ironman Austria" um Doping geht:
zunächst um das beliebte Bierdoping. Das Plakat wendet sich an die breite Bevölkerung Kärntens. Die Veranstalter rechnen mit über 100.000 Gaffern entlang der Rennstrecke am Wörthersee. Es ist auf dem Plakat natürlich geflunkert, so zu tun als würde auch der Hempel mit Villacher Bier dopen, und das gar während des Rennens oder auch nur im Training. Das Bierdoping ist jedoch das Vorrecht der Fans. Das ist in jeder Sportart so. Für die Stars ist das Dopen weit schwieriger. Speziell seit in Österreich die ersten Blutzentrifugen-Anbieter, die Testosteron- und Epo-Dealer in Untersuchungshaft sitzen. Auch für den Hempel läuft es derzeit gar nicht gut. Obwohl sein Bild überall für den "Ironman Austria" am kommenden Wochenende wirbt, darf er jetzt nicht einmal daran teilnehmen. Hempel ist schon seit längerem wegen Doping im Gerede. Der tapfere weil reumütige Rauchfangkehrer Bernhard Kohl, Gesamtdritter der Tour de France 2008, gegen den seit Monaten wegen jahrelang betriebenem Doping ermittelt wird, hat nun auch ausgesagt, er hat "Hempel drei Ampullen Amth-2 - in der Wirkung angeblich Testosteron vergleichbar - zu je einem Milliliter überlassen". Der 'Ironman Austria' Veranstalter Stefan Petritsch wagt nicht mehr seinen überall plakatierten Lokalhelden Hempel antreten zu lassen. Zu viele DoperInnen haben in Klagenfurt die Brutaldisziplin Triathlon bereits gewonnen. Seit die Justiz aktiv geworden ist scheint selbst in Österreich immer deutlicher zu werden, dass speziell in Ausdauer-Sportarten ohne künstliche und zum Glück verbotene Leistungsoptimierer zumindest in den Spitzenrängen nichts mehr geht. Der wahrscheinlich mit Testosteron-Substituten gespritzte 'Ironman' Hempel bestreitet die gegen ihn gerichteten Anschuldigungen.