summertime, and living is ...
Was machen, wenn nichts Dringendes ansteht und es Anfang Juni regnet? Regenschirm nehmen, spazieren gehen? Zu Hause bleiben? Wie, was oder wo auch immer, eines bleibt: sich über den Sommern freuen. Und wer von den sommerlichen Hochgefühlen noch keine rechte Vorstellung hat, wer sie erst in Erinnerung rufen muss, kann ja einmal das Bild des exzentrischen Modephotographen David LaChapelle genauer ansehen. Die Photoarbeit, des noch von Andy Warhol geförderten US-Amerikaners, ist 2001 entstanden. Titel: "Angelina Jolie: poppy field (lusty spring)". Also keine Kärntner Sommerwiese, sondern der Name einer US-Schauspielerin mit dem Hinweis: "Mohn Feld (lebhafter Frühling)", was sich noch anders übersetzen ließe. Irgendwas stimmt freilich sowieso nicht. Es ist nur ein Bild. Nur eine Schauspielerin, die sich womöglich Kollagen in die Lippen gespritzt hat, um derart vollmundig auszusehen, und dazu der Mohn, und der Frühling wird in Kärnten auch erst dann so heiß sein wie dieses Bild, wenn der Klimawandel noch weiter geht. Aber das ändert nichts daran, so soll der Sommer sein ...
... nur wirklicher,
noch etwas schärfer gestellt, dreidimensionaler, wobei man auch bedenken sollte, dass die Boulevardpresse bereits über ein Dutzend Tatoos auf Frau Jolies Körper entdeckt haben will, darunter das Tennessee Williams Zitat "A prayer for the wild at heart, kept in cages". Sie entstammt einer US-Schauspielerfamilie und hat auch selbst früh damit angefangen. Weitreichende internationale Bekanntheit genießt sie seit der Verflmung eines der erfolgreichsten Videospiele der neunziger Jahre. Ein Killerspiel für Mädchen: "Tomb Raider: Lara Croft". Ihre Tatoos, so soll Frau Jolie gesagt haben, dienen dazu, die Begehrlichkeit der Regisseure zu begrenzen, all zu viel von ihrer Haut zu verfilmen. Als "Lara Croft" verkörpert sie dann auch das immergeile doppelte Thema: Sex und Gewalt. Also schon sehr viel Haut, aber mit allem möglichen Schießzeug auf den Körper geschnallt, und jederzeit die Pistolen gezückt, wie das bei der Verfilmung der Hauptfigur eines Ballerspiels ja sein muß. Die Zeitschrift "Emma" hat 'Lara Croft' ostentativ begrüßt. In der taz schrieb eine nachdenklichere Redakteurin während die massive PR für den Film lief: "Im Grunde ist 'Tomb Raider' die größte Volksverarschung seit langem. Ein gähnendes Nichts, zusammengehauen wie eine drittklassige Videoproduktion." Das bad girl Jolie trägt mittlerweile auch Namen "Oskarpreisträgerin" und Angehörige der Aristokratie der U.S. ist sie sowieso. Der unentwirrbare Mix aus Hollywood-Alptraum und Traum ist nicht auf die bloße Glamourszene beschränkt, dafür steht Frau Jolie ebenfalls. Seit ihrem internationalen Durchbrauch entfaltet sie eine reges humanitäres Engagement. Sie setzt sich speziell für Flüchtlinge ein, ist seit 2001 "Goodwill Ambassador" der UNHCR, das Hochkommisariat der Vereinten Nationen für das Flüchtlingswesen. Sie bereist als UNO-Ambassador die ganze Welt, mit einer gewissen Zwangsläufigkeit auch jene Teile davon in denen die U.S.A. gerade Krieg führen oder geführt haben. Zugleich steht ihre bekannteste schauspielerische Leistung für einen sehr üblen Brutalisierungsschub in der Unterhaltungsindustrie. Wie sagte schon der gut- und alteuropäische Dr. Faust: "Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust". Bei Frau Jolie und vielen US-Amerikaner/innen scheint es ebenso zu sein. Flüchtlinge machen und sich für ihre humane Behandlung tatkräftig einsetzen. Dazu paßt auch ein Bild aus 2005 von einer hochkarätig besetzen Charity: eine wunderschöne, edle Angelina

mit dem aussenpolitischen Pit Bull Terrier Weibchen von Georg W. Bush, nachdem er die ärtzlich überwachte Folter für Außenfeinde eingeführt hat. Angelina erinnert mich hier, als alten Österreicher, an eine besonders hochmögende, besonders hochherzige aber etwas leichtsinnige Habsburger Prinzessin; und die Hündin daneben an einen naturgemäß schlecht gelaunten k & k Kriegsminister in der Zeit bevor der 1. Weltkrieg los getreten wurde: in Wien und Sarajewo.
Erinnerungs-Photo von einem Photo einer bedeutenden Aktion Vallie Exports in einem Münchner Pornokino 1969. Sie zeigt bei dieser Aktion dem männlichen Porno-Publikum wie eine "wirkliche Frau" aussieht. Vallie Export, Absolventin einer Linzer Textilschule, geht während der Aktion in der von ihr entworfenen "Aktionshose" auf und ab. Sie schwingt eine Maschinenpistole, die (wahrscheinlich??) kein mit scharfer Munition befülltes Magazin enthält. Durch ihre im Schritt offene "Aktionhose" ist Valie Export vaginal entblößt. Der Schutz ihrer Vagina vor allfälligen Aktionen der Pornokinogeher wird anstelle der Bekleidung durch die Maschinenpistole gewährleistet. Allein das drohende Schwingen der Tötungsmaschine hat die bayrischen Männer hinreichend eingeschüchtert und aktionsunfähig gemacht. Es ist die Zeit der sich formierenden militanten R.A.F., die einen hohen Frauenanteil auch in ihren Leitungsebenen hat. Die photographisch dokumentierte Aktion der renommierten Künstlerin nimmt überaschend präzis sehr wesentliche Strukturelemente in den Gender-Verhältnissen der Jahrzehnte 'nach 68' und speziell ab den 90er Jahren vorweg. Frauen können sich nun sooft und solange sie sich am Liebes- und Beziehungsmarkt feil halten möchten in erheblich größerer Freiheit als 'sexy' gerieren. Den Männern jedoch drohen zunehmend härtere Strafen nach neu definierten Deliktformen durch die staatliche Gewalt, sofern sie ungebeten auf die scheinbar größere Freizügikeit sexuell reagieren. Viele Männer die die psycho- und sozialökonomischen Forderungen der am Liebesmarkt aktiven Frauen nicht erfüllen weichen dann in Krankheit und Depression aus, in homosexuelle Beziehungen oder in neue und zugleich ganz alte Formen der Verachtung, Distanz und des Ekels gegenüber Frauen.