Robert Musil wurde im November 1880 in Klagenfurt geboren, elf Monate später in einem Körbchen zum Bahnhof gebracht, worauf er die Stadt verließ, um einer der bedeutendsten Romanciers des 20. Jahrhunderts zu werden. Ingeborg Bachmann wurde 1926 in Klagenfurt geboren, sie ging wie unzählige andere Kärntner/innen erst mit neunzehn Jahren weg, nachdem sie die Matura gemacht hat. Herbert Lackner, kein geborener Kärntner aber Chefredakteur des Wiener 'Profil', hat vor einiger Zeit über die Kärntner Diaspora in Wien recherchiert:
Kein anderes Land verliert so viele Talente. So würden allein in der österreichischen Hauptstadt 80.000 gebürtige Kärntner/innen leben. 'Profil' listet eine elendslange Reihe von groß oder überhaupt berühmt gewordenen Kärnten-Flüchtlingen auf. Leute, die eine wirkliche Stadt aber nicht Klagenfurt oder Villach und eine ständig verfehlte 'Förderung des ländlichen Raums' in ihrer Umgebung zur persönlichen und beruflichen Entfaltung gebraucht haben. Seit weltweit die Wertbetrommel für den neuesten Film des englischen Comedian Sacha Baron Cohen gerührt wird, weiß man auch, dass Brüno, der vertrottelte, aber nicht ganz unsympathisch schwule Titelheld ein geborener Klagenfurter ist. Baron Cohen ist eine englische Celebrity zumindest innerhalb seines Genre's, der derzeit in Los Angeles lebt. Endlich, so werden bestimmte Leute jetzt denken, wird Klagenfurt auch international, ja weltweit wahrgenommen: halt als Herkunftsort einer Witzfigur (Brüno ist so blöd, dass er z. B. glaubt Klagenfurt liegt in South Tyrol). Und das verrückte große, neue Stadion mit den viel zu vielen Sitzen für die drei Spiele bei der Europameisterschaft 2008 hat sich doch noch gelohnt (in der englischen Presse wurde damals vor allem über den in K. frei herum spazierenden kroatischen NS-Verbrecher Aschner berichtet, und Baron Cohen ist Jude und als Historiker promoviert). Gerhard Dörfler wiederum wurde als ebenso ranghoher wie unfreiwilliger Kärnten-Verarscher in der Kleinen Zeitung bereits um eine Expertise zu dem neu aufgetauchten Exil-Kärntner gebeten:
LH Dörfler hält 'Brüno' nicht für schön. Das würde an sich für den Film sprechen. Doch Dörfler hat den Film noch gar nicht gesehen, dennoch wurde er in dem sehr witzig gemeinten Interview sofort gebeten seinen Senf dazu zu geben. Wie gut der Film um den momentan weltberühmtesten geborenen Kärntner nun tatsächlich ist? Ich werde es wahrscheinlich nicht erfahren, weil ich weder die Zeit noch das bischen Eintrittsgeld dafür riskieren möchte. Denn nicht nur beim extrem rechten Landeshauptmann, sondern auch beim linksliberalen britischen Guardian kommt die gay-satire gar nicht gut weg:
Bruno is a product of Sacha Baron Cohen's bourgeois sexual neuroses und keineswegs besonders witzig. Das Urteil stammt von einem europäisch gebildeten indischen Journalisten in London, der sich in seiner Besprechung reichlich auf Freud beruft. Und Freud und Indien bezeichnen ja nicht die schlechtesten Traditionen auf dem weiten Gebiet der Erotik.