Sonntag, 31. Mai 2009
So sieht eine Kärntnerin aus ...
... wenn sie in der NS-Zeit in Wien Kunst studiert, seit den fünfziger Jahren überwiegend in Paris, New York gelebt hat und 1980 wieder zurück an der Wiener Akademie eine Kunstprofessur angenommen hat und Maria Lassnig heißt. Man sieht auf dem Bild mit dem Titel "Ich oder Du" sehr genau: Kärntnerinnen sind nicht immer ganz harmlos. Maria Lassnig, Ich oder Du Lassnig wurde in Kappel am Krappfeld geboren. Eine Gegend in der es schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts reiche Bauern gab - vom abhausenden Teil des Adels, der ihnen Grund verkauft hat, auch 'die Sterzgrafen' genannt. Ob Lassnig von solchen 'Sterzgrafen' oder ihren Knechten abstammt weiß ich nicht. Und ist auch nicht so besonders wichtig, weil die von den Linkshegelianern des 19. Jahrhunderts bis zu den "68ern" immer wieder erörterte "Herr-Knecht Dialekt" in dem Fall ohnehin zweitrangig ist. Die Fragen, die Lassnig stellt, lauten schließlich Herrin oder Herr, Herrin oder Knecht, Dirne oder Herrin. Maria Lassnig hat Teile ihre Jugend und Adoleszenz auch in Klagenfurt verbracht und sich in den achziger Jahren als wohlhabende und renommierte Künstlerin nicht unweit vom Krappfeld im oberen Metznitztal ein bäuerliches Anwesen gekauft. Dorthin zieht sich die alte "warrior queen", wie sie von einer Redakteurin des linksliberalen Guardian einmal genannt wurde, immer wieder zurück. Lassnig gebührt in verschiedener Hinsicht Achtung und Respekt. Wer jedoch sie und ihre Arbeiten ganz unbesehen liebt und verehrt, begibt sich in eine wie auch immer gefährliche Sphäre. Mehr zu dem Thema ein anderes mal.