Die 'Trischari' der Hypo Bank
Seit meine gute Tante Mary mit einem kleinen Anleihen-Depot bei der Kärntner Landeshypothekenbank dafür gesorgt hat, dass ich in Ruhe und solange studieren konnte bis ich auch an der Klagenfurter Uni tatsächlich was gelernt hab, ist schon geraume Zeit vergangen. Die Bank wurde mittlerweile mehrfach umbenannt. Das nicht sehr fette Depot mit den Landes- und Bundesanleihen der Erbtante ist seit langem leergeräumt. Bei der "Hypo Group Alpe Adria", wie die seinerzeitige Kärntner Landesbank heute heißt, hab ich nur noch ein Girokonto. Und dort ist der Überziehungsrahmen fast ausgereizt. Das hab ich heut zu Mittag nicht ganz unerwartet festgestellt. Danach bin ich zum Markt: frischer Salat, duftende Erdbeeren, reife Tomaten und Erdäpfel. Und wie immer bekannte Gesichter. Darunter urfreundlich der Hans aus immer weiter zurückliegenden Studentenzeiten. Er sieht prächtig aus und treibt sich nach wie vor im mittleren Management der "Hypo Bank" herum. Es war nicht sehr charmant von mir, aber ich hab ihn gleich gefragt, wie geht's denn der Hypo? Er hat vorsichtshalber gelacht. Und ich hab vorsichtshalber gesagt, ich komm gerade von dort und bin seit sehr langer Zeit Kunde, weshalb ich mir im letzten halben Jahr das "ganze Sündenregister der Hypo" einmal genauer angeschaut hab. Ich konnte es einfach nicht lassen. Ihn gleich auf die weltweiten Internet Spamer-Aktionen der 100% Hypo-Tochter mit Sitz in Liechtenstein ansprechen, wollte ich allerdings doch nicht; auch nicht den 2008 von den Hypo-Leuten erwirtschafteten Verlust von 520 Millionen Euro, was in Schillingzeiten ja auch 7 Milliarden gewesen wären, vermutlich der höchste Jahresverlust, der von einem Unternehmen mit Sitz in Klagenfurt jemals erzielt wurde. Und dass im letzten Herbst die Führung der "Hypo Bank", ein gewisser Herr Kulterer, wegen Bilanzfälschung, Untreue usw. wochenlang aufs Landesgericht musste und rechtskräftig verurteilt wurde, muß man dem Hans wirklich nicht sagen.

Ohne wirklich und frei mit ihm darüber reden zu können, war ich in seltsamer Weise auf die Hypo fixiert. Nicht zuletzt weil ich vor kurzem erstmals in meinem Leben Kennzahlen aus einer Bankbilanz gesehen hab. Wie gut, wie konfus oder überhaupt verkehrt ich die nun interpretiere, sei einmal dahin gestellt. Aber mir scheint, dass die Hypo im Jahr 2008 über 30 Milliarden mehr oder weniger gut respektive schlecht gesicherte Außenstände und ähnlich hohe eigene Zahlungsverpflichtungen gehabt hat, und das bei einem vergleichsweise geringen Kapital in Höhe von 2,5 Milliarden. Dabei hat die Republik Österreich erst vor etlichen Monaten 900 Millionen Euro zuschießen müssen (das hab ich in einer Zeitung gelesen), damit überhaupt noch ein ansehnlicheres, vorzeigbares Bank-Kapital da ist. Ich hätte mich sehr gern mit Hans über diese Fragen unterhalten, um mich etwas klüger zu machen. Aber es blieb beim bloß burschikosen Tratsch am Markt. Lachend sagte er, ich brauche mir keinerlei Sorgen machen, die Bank hat jetzt "zehn Prozent Eigenkapital". Das machte mich freilich erst stutzig, vielleicht ist meine laienhafte Interpretation der Jahresbilanz 2008 ja doch nicht komplett daneben. Es würde dem lachenden Hans ja gleich schauen, dass er in diesem Punkt etwas übertreibt. Und wenn er übertreiben hat würden meine Vermutungen ja in etwa stimmen. Die Bank wurde in den 90er Jahren auf Basis einer Ausfalls- und Haftungspflicht durch das Land Kärnten in rasendem Tempo zu einem Finanzkonzern mit hunderten Filialen vor allem in Süd-Ost Europa aufgeblasen. Ich fragte Hans in der Hoffnung vielleicht doch irgendein Informationskrümel aus ihm heraus zu kriegen, wie es nun mit den zahlreichen Kunden in Südosteuropa aussieht, in Kroatien, in Serbien, in Bulgarien usw. ob jetzt in der Krise dort nicht viele ins Gedränge kommen, Kreditrückzahlungen ausbleiben? Nein, nein, nein, das ist es nicht, sagte er in unerschütterlich beruhigendem Ton aber schon etwas weniger lachend, "die Trischari in da Karibik, das is das Problem". Nur über die Probleme mit der "Trischari" wird in österreichischen Zeitungen unterm Titel "hohe Swap Verluste der Kärntner Hypo" seit Jahren berichtet. Wie auch der Rest der englischsprachigen Welt redet Hans nicht genau nach der Schrift, wenn er 'treasury' meint. Dazu kommt, sagte er, "als weitere Belastung die Bayrische Landesbank". 2007 hat die Bayrische Landesbank die "Hypo Group Alpe Adria" mit einem etwa 60% Anteil, gerade noch rechtzeitig bevor es steil bergab ging, übernommen. Die Bayern haben 2008 einen Jahresverlust von 5 Milliarden Euro erwirtschaftet, einer der höchsten in der deutschen Bankengeschichte, zu dem die Kärntner rund 10 Prozent beigetragen haben. Die Bayern empfinden darum auch ihrerseits die Kärntner Hypo als Klotz am Bein und möchten sie so rasch als möglich wieder los werden. Aber das geht nicht so einfach. In Bayern fragt man sich unter anderem, was man wohl mit dem hochdefizitären Schloßhotel Velden anfangen soll und mit diversen Kärntner Golfplätzen, die ebenfalls zum maroden Hypo-Bank-Imperium gehören. Destinationen in denen eine bestimmte 'Elite in Kärnten' in den letzten Jahren Golf und eben 'Elite in Kärnten' zu spielen versucht hat. Bin neugierig wann die ersten Golfplätze zugunsten der ursprünglichen Nutzer rückgewidmet werden. Wann auf diesen Wiesen statt der vorübergend reich gewordenen Investmentbanker, ManagerInnen & Co wieder die Kühe, die Kälber und die Ochsen weiden werden.