Mittwoch, 1. Juli 2009
Die EPO-G'spritzten sind wieder da ...
"Zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und geschwind wie die Windhunde, so muss die deutsche Jugend sein" - Adolf Hitler. Adolf Hitler war einmal. Das alles war einmal. Das hat noch einzelne Züge des sozusagen Natürlichen ('Windhunde'), des Handwerks (Gerberei) und der 2. industriellen Revolution ('Kruppstahl'). Wirft man einen Blick auf die vom US-Verteidigungsministerium finanzierte Forschung der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) so weiß man, dass es bei den soldatischen Kampfmaschinen von heute um mehr geht; es geht um mehr aber auch um weniger utopische und bereits seit einiger Zeit verfügbare Anwendungen von Biotechnologie. Genauer um 'Military Bioengeneering': Soldaten sollen mit Hilfe von Drogen, Genen, Implantaten, Mikrochips, künstlichem Stoffwechsel, Bluttransfer u.a. schneller, härter und kampffähiger werden, ein Ziel dem die DARPA-Forschung viel Geld widmet. Menschen solllen für Schmerz unempfindlich gemacht werden, Wunden so schnell wie möglich geschlossen, Blutungen gestoppt werden. Dabei geht es nicht um Heilung, sondern um Kampffähigkeit: Mit abgerissenem Arm und Kugel im Bauch sollen die Soldaten irgendwann einmal weiterstürmen können, weil sie nichts davon spüren, sie sollen bis zu sieben Tage lang wach bleiben können, ohne dabei den Verstand zu verlieren. Anders gesagt, wie bereits unter Adolf Hitler geht es auch heute um die Konstruktion eines 'Übermenschen' - dieser Typ ist mittlerweile ziemlich US-gestylt. Seine (militär)-sportliche Erscheinungsform heißt darum auch 'Ironman' bzw. 'Ironwoman': 3,8 Kilometer um die Wette Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer rennen, rennen, rennen. Am besten in Hawaii. Aber auch die Vorbereitungsrennen, wo sich die post-hitlerischen Eisenfreaks für Hawaii qualifizieren können, werden weltweit nachgefragt. In den nächsten Tagen sind sie wieder in Klagenfurt, in der Kasernenstadt mit 4 Kasernen und einem Hubschrauberstützpunkt. Beworben wird der 'event' schon seit Monaten. Entlang der Kärntner Straßen u. a. mit einem Bierplakat (im Vergleich zu einem Hirter Bier ist das Villacher eher Geschlaber).
Der hier abgebildete 'Ironman' war im letzten Jahr Dritter. Ein gewisser Hannes Hempel, Lokalmatador aus Klagenfurt, bei dem ich mir nur schwer vorstellen kann, dass er in seiner Pubertär von den Altersgenossen nicht auch mal Pempel genannt wurde, oder der Hempel-Pempel. Kärnten Buben reden gern so, ich weiß das. Wenn man nur ein wenig genauer hinschaut zeigt sich schon, dass es beim "Ironman Austria" um Doping geht: zunächst um das beliebte Bierdoping. Das Plakat wendet sich an die breite Bevölkerung Kärntens. Die Veranstalter rechnen mit über 100.000 Gaffern entlang der Rennstrecke am Wörthersee. Es ist auf dem Plakat natürlich geflunkert, so zu tun als würde auch der Hempel mit Villacher Bier dopen, und das gar während des Rennens oder auch nur im Training. Das Bierdoping ist jedoch das Vorrecht der Fans. Das ist in jeder Sportart so. Für die Stars ist das Dopen weit schwieriger. Speziell seit in Österreich die ersten Blutzentrifugen-Anbieter, die Testosteron- und Epo-Dealer in Untersuchungshaft sitzen. Auch für den Hempel läuft es derzeit gar nicht gut. Obwohl sein Bild überall für den "Ironman Austria" am kommenden Wochenende wirbt, darf er jetzt nicht einmal daran teilnehmen. Hempel ist schon seit längerem wegen Doping im Gerede. Der tapfere weil reumütige Rauchfangkehrer Bernhard Kohl, Gesamtdritter der Tour de France 2008, gegen den seit Monaten wegen jahrelang betriebenem Doping ermittelt wird, hat nun auch ausgesagt, er hat "Hempel drei Ampullen Amth-2 - in der Wirkung angeblich Testosteron vergleichbar - zu je einem Milliliter überlassen". Der 'Ironman Austria' Veranstalter Stefan Petritsch wagt nicht mehr seinen überall plakatierten Lokalhelden Hempel antreten zu lassen. Zu viele DoperInnen haben in Klagenfurt die Brutaldisziplin Triathlon bereits gewonnen. Seit die Justiz aktiv geworden ist scheint selbst in Österreich immer deutlicher zu werden, dass speziell in Ausdauer-Sportarten ohne künstliche und zum Glück verbotene Leistungsoptimierer zumindest in den Spitzenrängen nichts mehr geht. Der wahrscheinlich mit Testosteron-Substituten gespritzte 'Ironman' Hempel bestreitet die gegen ihn gerichteten Anschuldigungen.