Mittwoch, 3. Juni 2009
Bei den Engeln wohnen, oder doch nicht.
Vor zwei Jahren bin ich auf dieses Kleinod in der Innenstadt aufmerksam geworden. Ich war weder der erste noch der einzige der seltsam fasziniert davor gestanden ist. Erichtet wurde es unter dem neulich abgewählten ÖVP-Bürgermeister Harald Scheucher, ein Wirtschaftsmann mit legendären Beziehungen zu Investoren. Klagenfurt verdankt Harald Scheucher eine ganze Reihe stadtarchitektonischer Großprojekte (nebst der entsprechenden Anzahl wütender Bürgerinitiatiativen, die dagegen erfolglos mobil gemacht haben). Unter seiner Ägide wurde auch damit begonnen die öffentliche Wasserversorgung zu verkaufen. Harald Scheucher war auch dabei federführend den kommunalen Verkehrsbetrieb, das Fernheizwerk, die Stromversorgung sowie den beträchtlichen städtischen Wohnungsbesitz aus dem öffentlichen ins Privatrecht überzuführen, um auch das alles verkaufen zu können. Wie weit all diese Verkaufsprozesse mittlerweile gediehen sind, ist unklar. Ein signifikanter Ausdruck der politischen Kreativität des Stadtoberhaupts Harald Scheucher findet sich jedenfalls im, ja, im Lufthaus:

Lufthaus erbaut unter ÖVP Bürgermeister Harald Scheucher

Um das Gesamtkonzept des Projekts entsprechend würdigen zu können braucht es klarerweise auch Sensibilität für bestimmte Details:



Schöner Wohnen bei den Engeln im Lufthaus. Begonnen wurde dieses Projekt schon vor 2007. Dem Investor ist das Geld aber wirklich im ungünstigsten Moment ausgegangen. Er hat gerade noch soviel Kohle gehabt, um das alte Bürgerhaus soweit abreißen zu können wie es das Denkmalamt gerade noch erlaubt hat. Dann war es aus mit ihm. Ein Zustand an dem sich bis heute nichts geändert hat. 2008 wurde sogar in den eh nicht so bissigen Kärntner Zeitungen darüber gewitzelt. Bürgermeister Scheucher, der noch ein drittes mal gewählt werden wollte, mußte Handlungskompetenz signalisieren. Und die Lösung, die seine Experten nun vorgelegt haben, kann sich sehen lassen:



Ein Investment, das mitten in die Stadt einschlägt, wie eine Fliegerbombe im Zweiten Weltkrieg. Haus weg, denkmalgeschütze Fassade noch da, die Fenster weisen ins Leere, katholisch gesehen in den Himmel; Gras kann da keines drüberwachsen. Also Vorhang runter, halbtransparent mit klassizistischen Ornamenten, um das Stadtbild nicht zu stören. Ein authentischeres Erinnerungszeichen für den ganzen Investorenschwarm, der an anderen Stellen der Stadt noch viel übler zugeschlagen hat, läßt sich kaum denken. Trotzdem gibt es noch Leute, die selbst angesichts solcher stadtarchitektonisch-erinnerungskultureller Meisterleistungen nicht aufhören öffentlich herum zu meckern. Zum Beispiel beim 'Lufthaus' gleich um die Ecke gibt es diese am Boden klebenden Geister, die einfach keine Geschäftsphantasie entwickeln. Unsinnige Fassadensprüher, die 'singen' und was nicht noch alles wollen.