Sonntag, 31. Mai 2009
Gospasvetsko Polje ...
... zu wenig geschlafen. Tagsüber im wesentlichen mit dem Blog und dem Layout beschäftigt. Nicht allzu sorgfältig aber doch Essen zubereitet: Aspik, saurer Milchshake, Brötchen mit Aufstrich, die Orange hab ich nicht gegessen. Viel war das nicht. Die Magistra artrium hat angerufen. Ihr von meinem Blogg erzählt, und dass ich bei Bedarf auch ihr einen einrichten könnte. Sowie dass ich die gemeinsamen Arbeiten ab 2005 thematisieren möchte, womit sie sehr einverstanden war. Abends ein paar Stunden hinaus. Die St. Veiterstraße ist wieder komplett zu mit widerlichen Wahlplakaten. Die F-Partei wird es wahrscheinlich schaffen, dass ich doch wählen geh, nicht weil ich denke, dass die anderen sehr viel besser wären, aber wenigstens sind sie nicht so offensichtlich grauslich, ekelhaft und schlecht. Über den Galgenbichl zügig hinauf, oben außer Atem, zur Glan hinaus. In einem nahen Wäldchen noch einmal mein Freund, der Kuckuck. Erstmals seit Winter 2007/08 wieder weit auf die Polje der Gospa Sveta hinaus gegangen. So richtig fängt sie ja doch erst hinter dem Zwirnawald an. Schon jenseits der Straße nach Karnburg hinüber, hab ich einmal länger zurück geschaut: eine kühle klare Luft, an den Rändern der Polje grüne Hügel, dahinter waldige Berge und in der Ferne massive Gebirgsstöcke, Felsenwände bis über 2000 Meter hinauf. Ein spürbares Gefühl von Weite kam mit einem mal auf. Ein schönes Gefühl. Ich hab es lang nicht mehr so deutlich empfunden. Seltsamerweise wegen dieser Berge, die hier die ganze Gegend verstellen und begrenzen. Es ist paradox: indem hier im Inneren der Ostalpen die Berge dem Blick in die Ferne ein Hinderniss entgegen stellen, erzeugen sie den Eindruck von Weite. In der Pußta, in der Po- oder sonst einer Ebene sieht man bei klarer Luft wahrscheinlich noch weiter, aber gleichzeitig nichts bzw. nur die Luft. Die Berge produzieren erst diesen Eindruck des Weiten. Und die Bergsteiger wissen das auch sehr genau. Sie glauben aber man muß davor auf die Berge hinaufsteigen. Das stimmt aber nicht. Es funktioniert auch von unten. Die Berge müssen nur weit genug weg sind, also dort wo ich sie gerne hab.



So sieht eine Kärntnerin aus ...
... wenn sie in der NS-Zeit in Wien Kunst studiert, seit den fünfziger Jahren überwiegend in Paris, New York gelebt hat und 1980 wieder zurück an der Wiener Akademie eine Kunstprofessur angenommen hat und Maria Lassnig heißt. Man sieht auf dem Bild mit dem Titel "Ich oder Du" sehr genau: Kärntnerinnen sind nicht immer ganz harmlos. Maria Lassnig, Ich oder Du Lassnig wurde in Kappel am Krappfeld geboren. Eine Gegend in der es schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts reiche Bauern gab - vom abhausenden Teil des Adels, der ihnen Grund verkauft hat, auch 'die Sterzgrafen' genannt. Ob Lassnig von solchen 'Sterzgrafen' oder ihren Knechten abstammt weiß ich nicht. Und ist auch nicht so besonders wichtig, weil die von den Linkshegelianern des 19. Jahrhunderts bis zu den "68ern" immer wieder erörterte "Herr-Knecht Dialekt" in dem Fall ohnehin zweitrangig ist. Die Fragen, die Lassnig stellt, lauten schließlich Herrin oder Herr, Herrin oder Knecht, Dirne oder Herrin. Maria Lassnig hat Teile ihre Jugend und Adoleszenz auch in Klagenfurt verbracht und sich in den achziger Jahren als wohlhabende und renommierte Künstlerin nicht unweit vom Krappfeld im oberen Metznitztal ein bäuerliches Anwesen gekauft. Dorthin zieht sich die alte "warrior queen", wie sie von einer Redakteurin des linksliberalen Guardian einmal genannt wurde, immer wieder zurück. Lassnig gebührt in verschiedener Hinsicht Achtung und Respekt. Wer jedoch sie und ihre Arbeiten ganz unbesehen liebt und verehrt, begibt sich in eine wie auch immer gefährliche Sphäre. Mehr zu dem Thema ein anderes mal.